„Aufgeben ist keine Option“

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Die Diagnose war niederschmetternd: Gehirntumor. Doch Theresa Bäuml vom AC 1927 Mayen e.V. hat immer gekämpft, nie aufgegeben und steht in diesem Jahr vor ihrem Trial-Comeback. Die 23-jährige Studentin aus dem Förderkader der ADAC Stiftung Sport greift wieder an und nach dem nächsten Titel.

Theresa, wie kommt Frau zum Trial-Sport?
Das Geschicklichkeits-Motorradfahren hat mir mein Vater in die Wiege gelegt. Er war ebenso im Trial aktiv wie meine zwei Onkel und mein Cousin. Ich habe das Trial-Gen sozusagen familiär geerbt (Augenzwinker). Und mit sechs Jahren ging es dann schon rauf aufs Motorrad.

Seitdem hast Du eine beeindruckende Motorsportkarriere hingelegt: Du bist vierfache Deutsche Meisterin und zweifache Europameisterin. Was ist Dein Erfolgsrezept?
Ehrgeiz, Leidenschaft, Geschicklichkeit und ein tolles Team im Hintergrund. Mein Vater ist Coach, Konstrukteur, Logistiker, Koch und vieles mehr in einem. Meine Eltern begleiten mich überall hin. Ohne ihren Einsatz und die Unterstützung meiner Partner und Förderer wie dem ADAC Mittelrhein wäre all dies nicht möglich. Dafür bin ich allen sehr dankbar.

Du bist in einer Männerdomäne unterwegs. Musst Du auch gegen Vorurteile anfahren?
Nein, ich musste bisher nie die Ellenbogen ausfahren. Ob Mann oder Frau – wir alle lieben diesen Sport, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik. Da ist für Klischees kein Platz.

Und der sportliche Erfolg spricht für Dich: Bei der Weltmeisterschaft 2017 in Italien konntest Du mit dem Sieg im Finallauf der Women GP Klasse Deinen bislang größten Erfolg feiern…
Ja, das war wirklich überragend. Ich hatte vorm Rennen in Pietramurata nahe des Gardasees Bronze eingeplant und dann kam alles anders. Tagessieg! Ich war sprachlos, musste gefühlt hunderte Interviews geben und war am Ende des Tages einfach grenzenlos glücklich.

Danach bist Du sportlich weiter erfolgreich auf der Überholspur geblieben ehe Dich ein Schicksalsschlag ereilte.
Genau. Anfang 2019 entdeckten die Ärzte bei mir einen Gehirntumor. Ein sehr großer Schock, die Saison war vorbei, ich wusste erstmal nicht, wie es weiter geht, aber der Tumor konnte letztendlich vollständig entfernt werden.

Wie hat Dich diese schwierige Zeit geprägt?
Ich halte heute nichts für selbstverständlich und nehme alltägliche Dinge einfach bewusster wahr. Nach der OP stand für mich fest: Ich will unbedingt zurück auf die Trial-Strecke. Dafür habe ich jeden Tag hart trainiert. Da musste mich niemand anschubsen. Mein Ehrgeiz war und ist ungebrochen. Für 2020 hatte ich mir große Ziele gesetzt…

…und dann kam Corona…
Genau. Ich konnte nur an einem Meisterschaftslauf in Tschechien teilnehmen. Das Jahr tat mir aber gut, da ich die wettkampflose Zeit voll und ganz für meine Regeneration genutzt habe und nun fitter als je zuvor bin. 

Wann sehen wir Dich wieder auf der Strecke?
Ich plane aktuell mit allen Wettbewerben: von der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft über die Deutsche Meisterschaft bis hin zu Europa- und Weltmeisterschaft. Die Scottish Six Days Trials in den schottischen Highlands wurden bereits Pandemie-bedingt abgesagt. Mal schauen, was Corona zulässt. Ich bin auf jeden Fall titelhungrig.

Dafür drücken wir Dir ganz fest die Daumen. Hast Du auch schon Pläne für die Zeit nach Deiner Karriere?
Ich studiere an der FH Koblenz den Bachelor-Studiengang Sportmedizinische Technik, danach folgt der Master und dann hoffentlich der Einstieg in den Medizinbereich. Aber bis dahin ist noch etwas Zeit und jetzt freue ich mich erstmal auf mein Comeback, wann immer das auch sein wird.

Dann freuen wir uns auf Dein Comeback und wünschen Dir bis dahin alles Gute. Herzlichen Dank für den Video-Chat und bleib weiter gesund!